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Prada: die Welt im Umbruch

13.06.2018

Der Weg zur Fondazione Prada führt an die Peripherie des Mailänder Zentrums, in eine ehemalige Ginbrennerei. Über aufgelassene Geleise und Baustellenzufahrten, gelangt man plötzlich in eine mit Schriftzügen, Neonbuchstaben und Projektionen behängte, übereinander- und nebeneinander geschichtete Architektur, gespickt mit Zitaten und gefüllt mit zeitgenössischer Kunst. Das Viertel Porta Romana ist im Umbruch begriffen und Umbrüche sind immer kompliziert. Man muss mit Vorhandenem leben und neu Entstandenes erst verstehen. Der Besucher ahnt: die Welt von Miuccia Prada ist ziemlich komplex, ihre Entwürfe sind es auch. Sie sind ein Spiegel unserer Zeit. Und den hält sie den Besuchern ihrer Fashionshow in der Fondazione Prada auch diesmal vor.

Es ist ein eher düsterer Blick, den Prada auf die Randerscheinungen, um nicht zu sagen, Abgründe unserer Zivilgesellschaft wirft: Es ist abgelegte Männerkleidung, in die sich Frauen hüllen. Als wäre sie recycelt, kombiniert Prada männliche Arbeits- und Funktionskleidung mit Tüll zum femininen Outfit. Daran baumelt noch, als hätte er vergessen, ihn abzunehmen, der Ausweis des Arbeiters, der das anonyme Wesen während seiner stummen Arbeit zum Individuum konkretisieren soll. Dicke Gummistiefel, Allwetterhüte, Nylon, Goretex, Plastik. Die großen gesellschaftlichen Dissonanzen der #metoo- und der Klimawandeldebatte als kunstvolle Modeinstallationen an Frauenkörpern übereinandergeschichtet. Prada sammelt nicht nur Kunst, sie macht Kunst.

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