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New York Citys Mode-Theater

18.09.2015

Mindestens ebenso emotional wie der Start der New Yorker Modewoche mit der publikumsnahen Show von Givenchy war auch das Ende: Marc Jacobs zeigt, dass er nicht nur das größte Modetalent dieser Tage ist, sondern auch der größte Showmaster.


Marc Jacobs
Eine Laufstegshow? Laaaaaangweilig! Marc Jacobs mietet das altehrwürdige Ziegfield Theater an und zeigte eine mehr als theatralische Show. One Night Only Marc Jacobs stand auf der Anzeigetafel des ehrwürdigen Hauses. Auf die Gäste warteten Popcorn und Drinks, die Models liefen raus, posierten vor Fans, kamen wieder rein und durchquerten das Publikum. Ja, Marc Jacobs weiß, dass die Mode immer auch von der Inszenierung lebt. Und im Inszenieren ist er mindestens so gut wie im Designen. Amerikas Farben rot, weiß und blau dominieren. America? Das sei für ihn New York, sagte Jacobs backstage. Und das Amerikanisch ist aus seiner Sicht auch Thema des nächsten Sommers.

Ralph Lauren
Eine salzige Brise von der französischen Küste wehte mit der Ralph Lauren Kollektion über den Laufsteg. Segeln wird für Sommer 2016 sein großes Thema. Aber allzu weit lehnt er sich nicht aus seinem Boot. Für die eigene Klientel zugeschneiderte propere Jachtclub-Mode und das ganze in den Farben des Hauses: blau-weiß-rot.

Calvin Klein
Das Label hatte man in den letzten Jahren so akkurat abgespeichert. Nun kommt die Wende. Übergroße Jacken, Layering mehrerer Schichten – ein Look wie schnell nach dem Aufstehen aus dem Kasten gezogen. Und tatsächlich, Francisco Costa nennt die Kollektion „morning after“. Sogar Blumendrucke wurden am Laufsteg gesichtet. Für Calvin Klein startet offenbar eine Epoche der neuen Lässigkeit.

DKNY
Geschlechterkampf auf der Wallstreet? Dao-Yi Chow und Maxwell Osborne gaben ihr Debüt bei DKNY. Die beiden Designer gründeten 2008 das Label Public School, das 2013 den CFDA Swarovski Award for Menswear einheimste. Der Ernst des Lebens nach der Schule holte sie nun bei der Fashion Week in New York ein. Für ihre Show wählten sie eine neue Mall unter dem World Trade Centre, in der Nähe zum Financial District; Frauen erobern Männerdomänen in Männerklamotten: Nadelstreif, grauer Flanell, weiße Baumwollshirts und Boxershorts. Dass Frauen noch in ihre Wallstreetrollen hineinwachsen müssen, sollte das die Message der teils gar plumpen Entwürfe sein? Vielleicht müssen die für ihre Männermode ausgezeichneten Designer aber auch einfach erst in echte Ideen für Frauenkleider hineinfinden.

Proenza Schouler
„Wir haben Bananen betrachtet“, erklärte Lazaro Hernandez backstage, „Dinge, die sich vom Körper schälen.“ Nicht in Bananengelb schickten Hernandez und John McCollough ihre Models auf die Bühne, sondern in Schwarz, Weiß, Rot mit üppigen Volants um die nackten Schultern, losen Kragen, verrutschten Knopfleisten, spektakulär geschmückt mit Federn, Pom-Poms, Bändern, Krausen, asymmetrischen Cut-outs, alles flatternd, lose, luftig. Um auf dieses Feuerwerk an Ideen zu kommen, genügte eine einzige Banane?!

Michael Kors
Rüschen, Blumenapplikationen, Lochmuster, die Blumenkinder sind bei Michael Kors hoch im Kurs, inspiriert von den Künstlerinnen Elsa Peretti und Georgia O’Keefe. Letztere ist berühmt für ihre Blumenbilder mit erotischem Unterton. Sehr geerdet, aber keineswegs bodenständig, sondern stark und zugleich sensibel sieht Michael Kors die Frauen im kommenden Frühling und Sommer. Flower Power, aber superchic.

Oscar de la Renta
Peter Copper, der in Oscar de la Rentas Fußstapfen getreten ist, wandelt auf des Meisters Spuren. Die Kollektion ist eine Art Ode an das alte Spanien, seine Farben und die Nelken, die traditionell zu den blutigen Stierkämpfen gehören – mit Farbtönen und Materialien, wie sie auf Velasquez´ und Goyas Gemälden zu finden sind. Egal ob Cocktailkleid oder Businesskostüm, Copper kombiniert dazu flache, geschnürte Espadrilles.

Tory Burch
Outfits fürs 5-Sterne-Resort. Als sich Tory Burch nach Angkor Wat begab, entdeckte sie die Schönheit der Patina für sich. Das inspirierte sie zu oxidiertem Schmuck, schillerndem Organza, Webtuniken und Borten allerorts. Die Kollektion passt jedenfalls eher für einen Daueraufenthalt auf Capri als für einen Ausflug ins Büro.

Vera Wang
Die Linie zwischen Fantasie und Realität ist brüchig, geht es nach Vera Wang. Das zieht sich durch das ganze Schaffen der Designerin. Sie ist die Punk-Ballerina der Mode und eine der größten Brautmodendesignerinnen, selbst trägt sie aber grundsätzlich schwarz. Für das kommende Frühjahr verwischt sie die Grenzen zwischen Schulmädchen- und Lehrerinnenlook. Dass sie dabei gewisse Fantasien streift, ist Teil des Spiels.

Diesel Black Gold
Andreas Melbostads Vision für den Frühling waren Frauen in Button-down-Kleidern. Ein alter Hut, Melbostad versucht sich an einer Neuinterpretation. Er interpretiert eigentlich so lange, bis man (fast) gar nichts mehr davon sieht: Er schneidet die blau-weiß gestreiften Button-down-Hemden in zig Stücke und näht sie neu zusammen. Ja, so passt das jetzt.

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