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Mode for President in New York

20.02.2016

In New York ticken die Uhren anders. Während man sich in Europa betont gelassen gibt, geht die Fashion Week auf der anderen Seite des Ozeans immer einen Schritt weiter. In der Front Row spielt sogar der Präsidentschaftswahlkampf eine Rolle. Die Modedesigner Marc Jacobs, Tory Burch und Public School unterstützen Hillary Clinton mit je einem designten T-Shirt. Und US-Vogue-Chefin Anna Wintour lässt sich damit ablichten. Auf dem Runway entgleist Präsidentschaftskandidatentochter Tiffany Trump als Model, und Popstars wie Rihanna (Puma) und Kanye West (Adidas) versuchen sich ebenfalls mit gesellschaftspolitischen Statements in ihren Shows.

Hinter den Kulissen fragt man sich wie jedes Jahr, ob die Fashion Weeks diesmal nicht wirklich endgültig vom Aussterben bedroht sind. Fast möchte man vor lauter Aufregung vergessen, worum es denn eigentlich geht. Ach ja, um die Modetrends für den nächsten Herbst.


Beginnen wir beim großen Finale: Marc Jacobs zeigte am letzten Tag seine Goth-Kollektion in der Park Avenue Armory und die Modewelt ist hingerissen. Die schnellen Kommentare nach der Show reichen von „12 Minuten mit einer Million Ideen“ (WWD) bis hin zu „Thank God for Marc Jacobs“ (Vogue). Mit seiner angeborenen Feinfühligkeit kombiniert er dunkelsten Gothik-Looks mit darunter liegender zartrosa Fragilität. Unter den Models: Lady Gaga persönlich. Vermutlich eine der wenigen Nicht-Profi-Models, die mit den 25-cm-Heels auch gehen können.

DKNYs Designer Maxwell Osborne und Dao-Yi Chow schicken Models im XXXXXXXL-Outfit auf den Runway, damit kann man durch die Straßen New Yorks laufen oder Fallschirmspringen gehen, je nach Lust und Laune – viele lose Bänder, ballonförmige Mäntel, tomatenrote Seide. Bei Boss gibt es eine Ode an die Kurve, geschwungene Linien, sehr taillierte Schnitte, schwingende Röcke, züchtig wadenlange Kleider, keinen Schnickschnack. Carolina Herrera experimentiert mit 3D-Stickereien und Paillette, die ein paar Millimeter über den Stoffen zu schweben scheinen.

In zahllose Stoffstreifen geschlitzte Kleider und Röcke schickt Michael Kors für den nächsten Winter: Der Zottelrock ist wieder da. Dazu viel Pelzbesatz und Federn, wie auch schon bei Jason Wu auf dem Laufsteg gesichtet. Tweed kombiniert Kors mit Blumenmuster, sogar Jeans schmückt er an den Waden mit Straußenfedern. Der Vodoo-Look bei Rodarte ist der düstere Gegenentwurf zum romantisch verspielten Sommer. Eine Kollektion für Tim-Burton-Fans: schwarzer Lippenstift, schwarze Spitze und Leder, dazu Blumen im Haar.

Auf Kothurnen lässt Vera Wang die Models balancieren – auf theatralisch hohen, schwarzen Plateausohlen. Dazu Kleider aus langen, geraden Stoffbahnen mit wenig gestalterischer Ambition. Auch bei Nicopanda, dem Label von Nicola Formichetti, gewinnt man 30 Zentimeter Körpergröße dazu: mit dicken Plateaus plus senkrecht toupiertem Haar. Bei ihrer neuen Kollektion über sich hinausgewachsen ist Tory Burch – sie ließ sich vom Französischen Film der 70er-Jahre inspirieren und kreierte einen farbenfrohen, intellektuellen Bohemien-Stil, mit dem man sich an der Pariser Sorbonne sofort für französische Literatur inskribieren will.

Bei Oscar de la Renta fühlt man sich ein wenig in die 90er-Jahre versetzt. Vielleicht liegt es daran, dass Designer Peter Copping sich seit seiner Ankunft vor einem Jahr ein bisschen zu sehr in die Archive des Hauses vertieft hat. Ralph Lauren zeigte auch eine typische Ralph-Lauren-Linie. „Mich haben Frauen inspiriert, die einfach sie selbst sein wollen.“ Für den Tag hält er spielerisch, lässige Männer-Styles bereit, für abends rockigere Looks. Phillip Lim ließ sich vom Land der aufgehenden Sonne zu kimonoartigen Mänteln und Kleidern mit Gingkoblättern inspirieren. Durch ganz besonders eigenwillige Entwürfe tut sich das spanische Label Delpozo unter Designer Josep Font hervor. Er konstruiert einen von Fritz Langs Science-Fiction-Stummfilmepos „Metropolis“ und der 3D-Digitalkunst von Daria Petrilli inspirierten Farb- und Formenrausch an den Körper. Stilsichere Stars wie Cate Blanchett und Olivia Palermo sind nicht umsonst seine Fans.

 

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