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Männertrends: von Kaftan bis Kimono

28.06.2016

Vom Defilee in Frottee bis zum Catwalk mit Hund war diesmal bei den Männerschauen in Mailand und Paris für Frühjahr/Sommer 2017 alles dabei.


Ein großer Trend ist bei den Kreationen, die sich vom nahöstlichen Kaftan bis zum fernöstlichen Kimono weltumspannend inspirieren ließen, abzulesen: es wird legerer. Die Hosen werden kürzer, die Hemden länger, die Jacken eckiger, mal braucht das Hemd keine Knöpfe, mal das Sakko kein Hemd. Man reist viel, ist ständig in Bewegung, daher muss es schnell gehen, bequem und praktisch sein. Mode zum Überwerfen: Die Globalisierung hat die Mode in jeder Hinsicht durchdrungen.

Etro
Kean Etro ließ seine Kreationen diesmal direkt auf dem Laufsteg auf ihre Anwendertauglichkeit prüfen. Er castete nicht-professionelle Models und ließ ihnen bei der Kleiderwahl auch noch freie Hand. Nicht Stylisten sondern die Träger selbst suchten aus, was sie auf dem Laufsteg tragen würden. Das ist ein interessanter Ansatz, denn er stellt die Mode schon bevor sie in die Geschäfte kommt auf die Probe. Sogar Hund Canita war auf dem Laufsteg mit seinem Nichtmodel-Herrchen und Gründer des Magazins Solar dabei und bewies: diese Mode passt perfekt zum Sonntagsspaziergang mit Hund.

Prada
Miuccia Prada am Puls der Zeit. Die Designerin interessiert sich nicht für die Vergangenheit, sie reagiert auf die Gegenwart. Sie trägt dem heraufdräuenden Nomadentum Rechnung. Die anhaltenden Flüchtlingsströme fließen in ihr Statement ein: Es sind Backpacker wider Willen. Und Prada stellt uns nun den Spiegel auf: So würden wir also aussehen, wenn wir uns auf den Weg ins Unbekannte machten?

Louis Vuitton
Designer Kim Jones ließ sich von seinen Reisen nach Afrika inspirieren und bereitete sich eine Hommage an seine eigene Zeit als Punk mit Ohrringen, Ketten, Bomberjacken. Dazu flauschige Pullover in den Farben des afrikanischen Kontinents, Animal Prints, Gazellenfelle auf Koffern, Drucke von Elefanten, Nashörnern und Giraffen der Künstler Jake and Dinos Chapman auf Canvastaschen und Pullovern.

Emporio Armani
Giorgio Armani hinterlässt Spuren in der Modewelt, die sich nicht nur durchziehen, sondern auch einen hohen Wiedererkennungseffekt haben, wie ein Fingerabdruck. Den hat der Meister nun zum Statement gemacht. Zur Eröffnung seiner Show präsentierte er ein T-Shirt mit übergroßem Fingerprint und was er dann zeigt, ist, als hätte er in der Kollektion die Essenz seines Labels noch einmal herausgearbeitet. Die Grau- und Navytöne auf der einen Seite, die grelle Sportswear auf der anderen. Irgendwo in der Mitte treffen sie sich und machen dann eben den Armani-Fingerabdruck aus.

Valentino
Immer wenn man denkt, der Military-Look sei passé, taucht er wieder auf. Diesmal bei Valentino. Die Kollektion wird dominiert von Grüntönen, Camouflage-Mustern, Overalls, Fliegeroutfits und Rangabzeichen. Erst auf den zweiten Blick erkennt das Auge, wie die Designer Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli das Uniforme dekonstruieren in etwas Privates, ganz und gar nicht Militärisches: in weiche, komfortable, bestickte Wohlfühlmaterialien und -schnitte.

Bei Gucci und der pop-art-bunten Kollektion von Moschino finden sich zahlreiche Regenmäntel, -hüte und -schirme. Ist das die erste Antwort auf den Klimawandel? Wir werden modisch wetterunabhängig in den nächsten Sommer geschickt, mit Regenschirmen, die direkt auf dem Kopf sitzen, und Regenmänteln, die an das Ölzeug von Hochseefischern erinnern. Für einen heißen Sommer hingegen hält Dolce & Gabbana einen Kaftan im Leopardenprint parat und Jil Sander präsentiert den A-förmigen Mann – in Mänteln und Jacken ohne Schulterpolster. Diors Kris Van Assche schickt Männer auf den Jahrmarkt: es blinkt und leuchtet auf dem Laufsteg und dazwischen treiben sich die Praterstrizzis mit Schirmkappen, Netzhemden und Hosenträgern herum. Auf höchstem modischem Niveau versteht sich. Dries Van Noten bescherte dem Publikum eine phantasievolle Kollektion deren Qualität in der Zurückhaltung und Formgebung liegt. Diesel Black Gold hält Denim-Zweiteiler parat, die statt mit Knöpfen wie Kimonos gebunden werden. Fendi huldigt dem Lieblingskleidungsstück des großen Pablo Picasso für den Aufenthalt an der Côte d’Azur: einer kurzen, braunen Hose aus Frottee – stilgerecht beim Defilee am Schwimmbeckenrand.

 

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