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Männermode mit Erbgut

31.01.2016

Auf den Männermodeschauen für Herbst/Winter 2016 wird eines deutlich: Es geht um die Vergangenheit. Um das eigene Erbe. Um die unerschöpflichen Archive der großen Modehäuser, die für diesen Herbst Quelle für Inspiration zu neuen Trends und neuen Blickwinkeln sind.


Wo ist Saint Laurent?
Diese Frage trieb die Front Row bei den Männer-Schauen in Paris besonders um, denn Saint Laurent war nicht dabei. Man werde die neue Kollektion in L.A. präsentieren, hieß es, und ließ viel Platz für intensive Spekulationen darüber, was Stardesigner Hedi Slimane wohl als nächstes vorhabe. Bis hin zum Exit. Slimane zählt selbst Modegott Karl Lagerfeld zu seinen begeisterten Fans. Dieser hatte, als Slimane einst die Geschicke von Dior übernommen hatte, 45 Kilo abgespeckt, nur um sich in einen der schmalen Anzüge in der charakteristischen Slimane-Silhoutte quetschen zu können.

Louis Vuitton
Kim Jones hat sich mit dem Erbe von Louis Vuitton auseinandergesetzt und beschlossen, das alte mit dem neuen Paris zu verknüpfen, und so das Unternehmen in seiner Heimatstadt fest zu verankern. (Darüber spricht er auch in unserem Interview Schritthalten mit Kim Jones). „Future Heritage“ übertitelte er dann treffend die Show. Es geht um die Zukunft des Erbes, sich auf das zu besinnen, was schon da ist, und es mit einer Art kreativen Frischzellenkur zukunftstauglich zu machen. Mit neuen Materialien oder überraschend verdrehten Zitaten aus dem Art déco oder aus der angewandten Kunst, die den Geschmack der 1920er-Jahre beherrschten. Arbeiterjacken und Blousons, von innen nach außen gewendete Jacken und Trenchcoats sind da zu finden, und marineblaue Louis-Vuitton-Koffer, die auf die Ursprünge des Unternehmens als Hersteller hochwertigen Reisegepäcks verweisen. Der Koffer als Accessoire ist voll da. Vom Aktenkoffer bis zum Mikrokoffer ist er im Herbst der Begleiter.

Kiton
Die gezeigten Stücke sind nur so etwas wie die Spitze des Eisbergs im Reich des luxuriösen, neapolitanischen Herrenschneiders. Maßschneiderei, die sich selbst T-shirts und Pullovern, und inzwischen auch sportlicheren Outfits widmet ohne dabei jemals laut zu werden. 350 Schneider nähen hier von Hand. Es geht um Perfektion gepaart mit dem über Jahrzehnte gepflegten, italienischen Mode-Selbstverständnis und Tragekomfort, der in der maschinellen Fertigung unerreichbar ist.

Valentino
Das Designer-Duo Chiuri und Piccioli macht einen Trip in die Welt der Wilden, der Unangepassten – quer durch den Gemüsegarten der Geschichte: der Existenzialisten, der Punks, der Beat Generation, der Burroughs bis hin zu den Pearly Kings and Queens (eine Londoner Wohlfahrtsorganisation, die Perlmuttknopfmuster auf ihre Kleidung nähte, um so Aufmerksamkeit zu erregen). Vom Rollkragenpullover bis zum bestickten Anzug, vom Punk-Karo bis zum Nieten besetzten Wollmantel – es geht um den Mann als Protagonisten seiner Mode, um Mode als Ausdruck seiner eigenen Geschichte, so die Designer. Auch wenn sie bei Valentino wesentlich zurückhaltender erzählt wird als bei den originalen Vorbildern.

Hier geht es zu den 6 stärksten Trends für den Mann im Herbst/Winter 2016

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