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Londons Soho im Fashion-Fieber

23.09.2015

Die 62. Ausgabe der London Fashion Week findet heuer im neuen Zuhause statt: Im Brewer Street Car Park mitten in Soho, dem lebhaften Szeneviertel im Londoner West End. Das Zahlenmaterial dazu lässt sich sehen: 78 Designer drängten sich dicht an dicht am Programm. 5000 Besucher besuchten die Shows. Geschätzte 30.000 Espressi wurden geschlürft, 237 Kilogramm Sojajoghurt verdrückt und die Daumen glühten bei 350.000 Tweets…

 


Vivienne Westwood Red Label
Vivienne Westwood betreibt eines der letzten unabhängigen, internationalen Modelabels. Die Zeit, in der Westwood mit ihrer Mode provoziert hat, ist vielleicht vorbei, aber ihre schöpferische und unternehmerische Unbeugsamkeit hat sie sich bewahrt. Ihr persönlicher Fokus hat sich von der Mode- zur Meinungsmacherin verschoben. Als erstere muss sie sich wirklich nichts mehr beweisen. Jedes Teil ihrer Kollektion ist ein Hingucker, unangestrengt irritierend, bisweilen verstörend und niemals belanglos. „Fracking ist ein Verbrechen!“, ließ Westwood auf Plakaten und Transparenten die Gäste ihrer Show wissen. Es war die Fortsetzung ihrer Protestaktion in der vergangenen Woche. Da fuhr sie mit einem Tankwagen bei Premierminister David Camerons Landhaus vor.

Pugh
Ziemlich schräg kommt Gareth Pughs Hommage an die wildeste Zeit Sohos daher. In den 70er- und 80er-Jahren war Soho Synonym für Fetisch- und Sex-Shops, Tummelplatz von Dragqueens, Prostituierten, begründete aber auch seinen Ruf als von Künstlern gern frequentiertes Viertel. Pugh zieht den Frauen Nylonstrümpfe über, schminkt sie wie die Bandmitglieder von Kiss, dazu gibt es Latex, Perücken und lange Krallen. Auch er scheint zum Protest aufzurufen: gegen die Angepasstheit des neuen Jahrtausends.

Mary Katrantzou
Urknallmuster. Katrantzous Entwürfe werden zum psychedelischen Trip. Es glitzert und glänzt, und blickt man auf die wallenden Entwürfe, so wähnt man sich auf Raumschiff Enterprise, kurz nach Start des Warp-Antriebs: Es krümmt sich der Raum, und Sterne schießen wie farbige Pfeile in Überlichtgeschwindigkeit vorbei.

Peter Pilotto
Der Österreicher, der gemeinsam mit Christopher de Vos die Catwalks aufmischt, tritt heuer mit seiner ersten Schuhkollektion auf: Für Liebhaberinnen von hohen und keinen Absätzen.

Nichts Neues im Westen

Im Westen nichts Neues gilt für manche der Alteingesessenen. Burberry Prorsum kommt mit viel Spitze und gleich einem ganzen Orchester samt Sängerin Alison Moyet zur Show. Trotz Zuhilfenahme modernster Technik –Burberry hat (dank des Wechsels der ehemaligen Chefin zu Apple) einen eigenen Musik-Channel auf Apple – ist die Kollektion auf dem Weg zur Runderneuerung irgendwo ins Stocken geraten. Bei Daks gibt es Rock und Shirt, bei Pringle of Scotland Lochmuster und Strickkleider, dezent bis an die Grenze zur Langeweile. Der Ur-Londoner Paul Smith ist seit 45 Jahren im Business und immer noch sein eigener Herr, keinem Konzern ist es bisher gelungen, ihn zu schlucken. Vielleicht, weil Smith seiner Mission treu bleibt, Extravagantes, aber Komfortables zu entwerfen.

Hunter versucht das Lebensgefühl auf – verregneten – Musikfestivals einzufangen und lässt die Models authentisch durch dampfenden Gatsch stapfen, Hindmarch ist wie immer für den Humor zuständig. Sie zaubert aus dem Carrefour-Supermarkt-Logo Stoff- und Taschenmuster. Neu in London: Versus, Versaces Zweitlinie. Anthony Vaccarello gibt den Einstand als Kreativdirektor.

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