Menü
Individuell sein mit Miuccia Prada
11.10.2016
Miuccia Prada © Manuela Pavesi

Miuccia Prada © Manuela Pavesi

Individuell sein mit Miuccia Prada

11.10.2016

Die Erfinderin der It-Bag ist vom Erfolg verwöhnt. Aber in diesem Geschäftsjahr musste sie Einbußen hinnehmen. Das bringt Miuccia Prada jedoch keineswegs aus der Ruhe. Sie verlässt sich auf ihre Intuition und ihren Willen zur Gestaltung, um das Unternehmen, das Großvater Mario und Großonkel Martino 1913 gegründet haben, voranzubringen.

Die zierliche Italienerin strotzt vor Energie und sprüht vor Ideen. Sie war es einst, die unsere Vorstellung von Geschmack gewaltig ins Wanken brachte und uns direkt in eine Ära schubste, in der einfache Schönheit Langeweile verströmte. Dass etwas, das ein wenig seltsam wirkt, cool ist, kann bei Prada bis in die 90er-Jahre verfolgt werden, als Prada den Ugly Chic präsentierte. „Ich mag es, wenn simple, klassische Dinge verdreht sind“, erklärt Prada hinter ihrem weißen Tisch umgeben von Kunstwerken in ihrem Mailänder Büro.
Sie revolutionierte den Geschmack und erschütterte das Fashionbusiness: Mit einem simplen Nylonrucksack, den sie 1979 einführte. Er war nicht sofort ein Hit, aber in den frühen 90ern wurden diese Säcke plötzlich zu den ersten It-Bags, mit denen sich das eher an bürgerlicher Kundschaft orientierte Traditionshaus in die erste Reihe der Modehäuser katapultierte. Und es machte Taschen zu einem zentralen Thema in der Modeindustrie.

Nylon statt Kaschmir

Dass die Designerin Nylon wie Kaschmir behandelt und ins Luxussegment erhebt, ist typisch für ihr unkonventionelles Denken. „Ich will einfach anders sein“, bringt sie es auf den Punkt und rührt ihren dritten Kaffee um. Dabei trägt sie übrigens eine Jacke aus der aktuellen Sommerkollektion, aus braunen und orangen Lederstreifen, ein unübersehbares Stück. Passend zu einer ihrer liebsten Phrasen als lebenslange Feministin: „werde gesehen und werde gehört.“ Sie sieht aus wie eine, die selbst ebenso wenig Angst davor hat, anders zu sein, verdreht; nicht, um aufzufallen, sondern wegen der Kraft, die man daraus schöpfen kann.

Mir wird schnell fad

„Ich bin hochinteressiert an allem, was neu ist. Mir wird schneller fad als allen, deshalb bin ich ständig auf der Suche. Hauptsächlich bin ich daran interessiert, was in der Welt los ist. Ich will verstehen, nicht Klischees bedienen.“ Und informiert bleibt sie auf altmodische Weise. Statt Google fragt sie Menschen. „Ich habe keinen Computer, aber das kann ich mir leisten, weil ich das Privileg habe, mein Team zu fragen, wenn ich etwas wissen will. Die größte Herausforderung als Designerin“, sagt sie, „ist, nicht dumm zu werden und individuell zu bleiben.“

Ob sie denkt, wir hätten den Mode-Peak bereits erreicht? „Ja, natürlich. Für die Reichen gibt es von allem zu viel. Zu viel Essen, zu viele Kleider. Aber wir leben nun einmal im Kapitalismus. Und damit müssen wir umgehen, andernfalls gibt es eine Revolution. Und es stimmt, dass es von allem zu viel gibt, aber nicht genug von den richtigen Dingen.“ Derzeit verkaufe sie zwar weniger, sagt sie, „aber wir wollen anspruchsvoller werden, um jenen Dingen mehr Schönheit und Aufmerksamkeit zu verleihen, die wirklich wichtig sind.“ Ihr Gegenrezept zum Fashion-Peak? „Dinge zu tun, die nicht blöd sind oder sinnlos.“

Claudine Croft / The Times / The Interview People

 

 

Teilen

Ich stimme zu, dass diese Seite Cookies für Analysen verwendet.