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Interview: Lisa Ortner-Kreil
22.08.2016
Lisa Ortner-Kreil © Natalie Wuernitzer

Lisa Ortner-Kreil © Natalie Wuernitzer

Interview: Lisa Ortner-Kreil

22.08.2016

Sein Werk ist ausufernd, sein Ruf durchwachsen: Enfant terrible, Ausnahmekünstler oder Kunst-Punk. So bezeichnen manche einen der umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts: Martin Kippenberger. Ihm widmet das Bank Austria Kunstforum diesen Herbst eine Schau (8. 9. bis 27. 11. 2016) – kuratiert von Lisa Ortner-Kreil. Die Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin aus Braunau fokussiert in der Ausstellung auf das Medium „Sprache“ in Kippenbergers Werk. Und verrät, warum sie, obwohl auch Expertin fürs (Kunst-) Sammeln, Dinge lieber los wird.

Beruf Kuratorin
Wohnort Wien
Lieblingskünstler unbeantwortbar in ihrem Job
Museum zum Immer-wieder-Hingehen Galerie Westlicht, Fotoinstitut Bonartes, Kunsthistorisches Museum


Was gefällt Ihnen an Martin Kippenbergers Werk?
Sein Humor, der oft echte Abgründe und Schonungslosigkeit birgt. Seine Ernsthaftigkeit, denn letztlich war er doch auch ein sehr klassischer Künstler. Und seine Fähigkeit mit Bildern, Texten, Worten – oft auch mit gefundenem Material – umzugehen. Ein Kritiker hat ihn einmal als „Bildjournalisten“ bezeichnet. Das passt echt gut.

Wo lagen die Herausforderungen für Sie bei der Ausstellung?
Kippenbergers Werk ist unüberschaubar riesig, sowohl in der Anzahl der Werke, als auch in den tatsächlichen Formaten seiner Arbeiten. Die größte Herausforderung war es, einen roten Faden für die Ausstellung zu finden. Ich habe den Schwerpunkt auf die „Sprache“ im Werk von Kippenberger gelegt. Das war durchwegs sein bevorzugtes Medium und noch in keiner bisherigen Ausstellung das eigentliche Thema.

Galerie oder Off-Space – was bevorzugen Sie?
Ich schaue mir viele Dinge an und bin immer sehr beeindruckt, wenn jemand etwas ohne Infrastruktur auf die Beine stellt. Das weiße haus ist zum Beispiel eine gute Sache – ein Ausstellungsraum, der „wandert“. Toll finde ich in Wien auch die Projekte von „Kunst im Öffentlichen Raum – KÖR“. Man ist beim Ausstellungsmachen im öffentlichen Raum mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert als im geschützten White Cube.

Mit wem möchten Sie unbedingt einmal eine Ausstellung machen?
Ich möchte seit Jahren eine Diane Arbus-Ausstellung machen. Sie ist wahrscheinlich die genialste US-amerikanische Fotografin des 20. Jahrhunderts und hat mit ihren Fotos von Outsidern und „Freaks“ der Gesellschaft Kunstgeschichte geschrieben.

Sie sind auch Kunsthistorikerin – in welcher Epoche, abgesehen von Jetzt, hätten Sie sich wohl gefühlt?
Das Wien der 1920er-Jahre muss wohl ziemlich aufregend gewesen sein. Es gab in der Stadt eine ganze Riege an tollen Fotografinnen – Lisette Model, Dora Kallmus, Trude Fleischmann. Auch die Literatur-, Theater- und Musikszene blühte – bis dann kulturell langsam aber sicher alles den Bach runterging, und der aufkeimende Nationalismus der Diversität den Garaus gemacht hat.

Mit welcher anderen Stadt kann sich Wien in Sachen Kunst messen?
Wien ist sowohl im europäischen als auch im internationalen Vergleich eine echte Weltstadt im Hinblick auf Kunst und Kultur. Jede Zeit hat ihre Protagonisten, die einen kreativen Spirit vorantreiben, dabei auch netzwerken, und so die Basis für nachfolgende Generationen legen. Sei es jetzt Wien um 1900, die Wiener Aktionisten, Einzelfiguren wie Maria Lassnig oder Franz West, bis hin zur aktuellen jungen Szene mit Leuten wie Alfredo Barsuglia, Anja Manfredi, Anna Artaker oder Nina Rike Springer.

Ihre Expertise ist unter anderem das Sammeln – „Kunst/Sammeln heute – Kulturelle Praxis, künstlerische Strategie, Obsession“ heißt der Titel Ihrer Dissertation. Sind Sie eine Sammlerin?
Nein, bin ich nicht. Im Gegenteil: Ich versuche immer, Dinge los zu werden. Das Sammeln ist nämlich auch eine ziemlich gefährliche Angelegenheit: Meistens ist es irgendwann so, dass einen die Sammlung besitzt und nicht umgekehrt.

Last not least – Stichwort Mode. Ist Schwarz das neue Schwarz in der Szene?
Schwarz geht natürlich immer. Ich persönlich mag es aber lieber bunt.

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