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Interview: Heinz Neumann
27.02.2016
c Neumann

c Neumann

Interview: Heinz Neumann

27.02.2016

Beruf Architekt
Büro www.neumannundpartner.com
Referenzen neuer Wiener Westbahnhof, Generali-Center, Uniqa Tower uvm.
Credo Jeder Ort, jede Bauaufgabe, jede Zielsetzung verlangt eine andere architektonische Antwort.


„Wenn Sie über Architektur reden wollen, rufen Sie mich an“, steht auf der Homepage von Neumann + Partner. Wir haben Heinz Neumann eine Mail geschrieben. Und ihn zum Thema Architektur befragt. Neumann ist einer der bekanntesten Architekten Österreichs und für markante Bauwerke in Wien verantwortlich, unter anderem auch für große Bereiche des Goldenen Quartiers. 2015 erhielt er das Golden Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

Auf Ihrer Referenzliste stehen der Uniqa Tower, der neue Wiener Westbahnhof oder der Ares Tower – welches Projekt bedeutet Ihnen persönlich am meisten und warum?
Ich wäre ein Rabenvater, wenn ich eines meiner Kinder bevorzugen würde. Bitter ist eher, wenn der Bauherr von einem Bauwerk Besitz ergreift, das kommt einer Kindesweglegung gleich.

Im Goldenen Quartier waren Sie Generalplaner der Projekte Tuchlauben und Am Hof. Was waren Ihre Tätigkeitsbereiche?
Wir waren mit allen Architektenleistungen beauftragt. Das umfasst den Vorentwurf, Entwurf und Einreichplanung (Bau, Denkmalschutz und Gewerberecht), die Ausführungsplanung sowie die technische und künstlerische Oberleitung.

Was waren die größten Meilensteine dieses Projektes?
Die Integration der Anforderungen eines 5-Stern-Hotels in die historische Substanz des Bestandes. Der Dachaufbau mit der Auflage des Denkmalschutzes, dass keine Fenster in der Dachfläche sichtbar sein sollen. Eine zeitgemäße Schaufensterarchitektur, die sich in die historische Fassade einfügt. Die Wiederherstellung der hochwertigen Innengestaltung der Beletage nach dem Brand (im November 2011, Anm.).

Sie sagen, Architektur sei Spiegelbild der Gesellschaft – was lässt sich dann anhand der Wiener Architektur über die Wiener sagen?
Die Wiener haben in allen Epochen ihre Gesellschaft mit Gebäuden abgebildet. In der Barockzeit mit wunderbaren Palais, Palästen und Gartenanlagen, sogar im Biedermeier hat sich eine eigene Architektursprache herausgebildet. Die Gründerzeit hat als wunderbares Beispiel den Bau der Ringstraße ermöglicht, und heute ist Wien sicherlich mit seinen Wohnbauten ein internationaler Spitzenreiter der Architektur.

Auf ihrer Homepage sagen Sie, Architektur sei nur durch interdisziplinäre Arbeit zu bewältigen – welche Disziplinen gehören dazu?
Alle. Über die Generalplanerleistung hinaus geht es um Koordination von Spezialdisziplinen wie Brandschutz, Akustik, Interieurdesign, Lichtplanung, Medientechnik, Restaurierung mit Spezialgebieten wie Holz, Stein, Metall, historischen Gläsern, Fassaden und Innenputz sowie Malereien. Der Architekt ist Dirigent, der alle Spezialdisziplinen zu einem Orchester formt.

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere für Alvar Aalto gearbeitet. Welches Statement von ihm ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Architektur muss selbstverständlich sein. Schauen Sie sich seine wunderbaren, organischen Holzmöbel an!

Wie sieht für Sie das ideale Büro aus?
Wenn man nichts mehr weglassen kann und man sich trotzdem darin wohl fühlt.

Wie sieht Ihr Büro aus?
Genau so, nur erlaube ich mir, die Wände mit Bildern zu tapezieren. Das regt meine Phantasie an.

Welche Materialien gefallen Ihnen, wenn sie in der Wiener Altstadt ein Bauprojekt umsetzen müssten?
Ich werde sicher den Dialog zwischen Altbestand und dem neuen Bauwerk suchen. Ich bin ein Gegner davon, in einen harmonischen Altbestand einen lauten Heuler hineinzusetzen. Geputzte Fassaden, Steingewände, Holzfenster, aber durchaus in einer zeitgemäßen Architektursprache.

Was ist das verrückteste Büro, das sie je gesehen haben?
Schauen Sie sich das Büro von Norman Foster an. Ich habe die Assoziation einer Galeere.

Welches Möbel designen Sie gerade?
Tischlampen und wieder einmal ein paar Sesseln.

Welches Objekt bauen Sie gerade?
Zwei Hotels am Hauptbahnhof, Wohnhochhäuser in der Laaer-Berg-Straße, die Revitalisierung einer barocken Anlage in Nußdorf, 2 Bürohäuser in der Muthgasse und Verschiedenes in der Pipeline.

Welche Architekten-Biografie haben Sie zuletzt gelesen?
Dr. Reinhard Seiß hat ein großartiges Buch über Harry Glück geschrieben. Ich habe es mit großem Interesse gelesen. (Harry Glück hat den Wohnpark Alt-Erlaa gebaut, Anm.)

Was hinterlässt auf Sie einen bleibenden Eindruck?
Fahren Sie nach Dubai und schauen Sie sich den Burj Khalifa an. Wenn Sie das nicht beeindruckt, dann haben Sie keine Gefühle.

Ihr persönliches Kreativitätsrezept?
Skizzen, Skizzen, Zeichnungen, Arbeitsmodelle und dann die Arbeit niederlegen. Eine gute Flasche Wein trinken und nach einer Woche wieder beginnen. Meistens zeichnet sich für mich dann ein Weg ab.

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