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Interview: Christiane Arp
08.09.2015
Christiane Arp, Chefredakteurin der VOGUE Germany (c) Peter Rigaud

Christiane Arp, Chefredakteurin der VOGUE Germany (c) Peter Rigaud

Interview: Christiane Arp

08.09.2015

Vogue – die blonde Eminenz

Vergangenes Jahr wurde VOGUE Chefredakteurin Christiane Arp von zwei Wienerinnen gefragt, ob sie die VOGUE Fashion’s Night Out nicht auch in Wien veranstalten wolle. Nun ist es soweit: VFNO-Premiere in Wien. Und selbstverständlich reist das ganze VOGUE-Team an. Denn das ist der Anspruch von Arp: „Wir wollen immer selbst vor Ort sein.“ Den logistischen Marathon dafür nimmt sie in Kauf. Den Wien-Besuch sieht sie als Entdeckungsreise. Und das Reisen grundsätzlich als Inspiration. Wo man sie in Wien trifft: „Sicher im Goldenen Quartier.“ Sonst habe sie glücklicherweise das Privileg, dass sie sich auch treiben lassen darf.

Chefredakteurin seit: März 2003
Anzahl der Mitarbeiter: 50
Lieblingsreiseziel: ihr Haus auf dem Land in Norddeutschland
Lesestoff am Nachtkästchen: Theodor Storm, Ingeborg Bachmann und Rainer Maria Rilke


Was mögen Sie an der VFNO?
Das Tolle ist diese unglaublich positive Stimmung in den Städten. Wir deutschen Frauen tun uns manchmal ein bisschen schwer, das Schöne zu zelebrieren, einfach nur zu genießen. Die VFNO gibt mir aber das Gefühl, dass wir das auch können und dürfen! Hier geht es vor allem ums gemeinsame Erleben und den Spaß am Shopping.

Tun sich Wienerinnen auch schwer beim Genießen?
Ich kann nur sagen, dass die Österreicherin, mit der ich viel zu tun habe, ein von Grund auf positiver Mensch ist. Das ist Martina Hoermanseder. Ein riesengroßes Talent. Mein Österreicherinnen-Bild ist momentan von ihr geprägt. Marina lebt meist in Berlin. Mein Gefühl ist ja auch komplett subjektiv. Aber ich empfinde die Österreicherin als ein bisschen leichter. Aber in Wien gehört die Schwermütigkeit dazu. Wenn die Sonne scheint, ist Wien großartig. Wenn es regnet, macht es traurig. Ich war einmal an so einem Wochenende da, und da kam es mir viel schwermütiger vor als Norddeutschland, wo ich herkomme, und wo es oft nass und grau ist.

Was will die Vogue mit der VFNO erreichen?
VOGUE ist ja schon die – ich sage jetzt blonde und nicht graue – Eminenz, wenn es um Frauenzeitschriften geht. Vor allem um Modezeitschriften. Wir sind in Teilen unnahbar. Wir wollen nicht Everybody‘s Darling sein. Auf der anderen Seite wird die Beziehung zu unseren Lesern und Fans durch all die Bilder und Social Media immer enger und es findet ein viel stärkerer Austausch statt. VOGUE will bei der VFNO erlebbar sein. Wenn gewünscht, geben wir auch Stylingtipps.

Was nimmt man aus der Ferne aus der Modestadt Wien wahr?
Marina Hoermanseder ist im Moment das positivste Beispiel, das man nur haben kann. Sie vereint, was ich mir wünsche. Das Wissen um das Business, aber sie folgt auch der eigenen Stimme und ihrer Vision. Mit jeder neuen Kollektion sieht man, wie sie sich weiterentwickelt.

Sie sind jetzt auch Präsidentin des Fashion Councils Germany. Mit welchem Ziel?
Das ist Lobbyingarbeit für den Nachwuchs. Und dafür hat VOGUE sicher die lauteste Stimme. Wir wollen erreichen, dass Mode in Deutschland als Kultur- und Wirtschaftsgut wahrgenommen wird.

Was inspiriert Sie?
Das hört sich vielleicht beliebig an: alles. Ich wollte mir immer den 360-Grad-Blick behalten. Überall hingucken.

Bitte um Beispiele.
Mich inspiriert Architektur, genauso wie die Farbe einer Tür, oder die Kombination aus mehreren Farben oder Formen. Eindrücke, die ich von Reisen mitnehme. Ich könnte diesen Job nicht machen, wenn ich nur hier in meinem Büro säße. Ich brauche den Blick nach draußen. Dort fülle ich meine imaginäre Reisetasche, die ich hier am Schreibtisch langsam auspacke.

Beschreiben Sie uns Ihr Büro!
Ein heller Raum mit einer Front Fenster. Voll. Viele Bilder. Vor mir eine Wand, an der das aktuelle Heft entsteht, sodass ich nach und nach sehe, was mir gefällt oder ob ich noch etwas ändern muss. An einer Wand steht mein internationaler Zeitschriftenkiosk mit allen Magazinen, die mich interessieren, natürlich auch alle VOGUE-Ausgaben des letzten Jahres. Dann gibt es ein paar persönliche Fotografien, mit denen ich etwas verbinde – und meinen vollen Schreibtisch.

Clear Desk Policy ist nichts für Journalisten?
Mein Schreibtisch war noch nie leer.

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