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In der Badewanne mit Tom Ford
01.10.2015
(c) iStock

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In der Badewanne mit Tom Ford

01.10.2015

Die Fashion Weeks laufen – und die Modewelt stellt sich eine große Frage: Wo ist Tom Ford? Er zeigte seine neue Kollektion nicht in New York und steht auch in London, Paris und Mailand nicht auf dem Programm. Sogar die New York Times forschte unlängst beunruhigt nach. Fords Büro reagierte kryptisch:

  1. Mr. Ford zeigt diese Saison nicht in London, das bedeutet aber nicht, dass er in London nicht mehr präsentieren wird.
  2. Er wird keine traditionelle Show haben, aber er wird eine Show geben.
  3. Details folgen.

Im Interview verrät er dafür ganz schön viele private Details. Die Vaterschaft beschreibt er als meditativ. „Sie hat mich komplett verändert und mir geholfen, mich zu entspannen“. Ausgerechnet das sagt einer, der seine pathologische Pedanterie und seinen Perfektionismus als „gerade noch nicht geisteskrank“ beschrieben hat. Nach einer Pause sagt er geradeheraus: „Seitdem ich aufgehört habe, Alkohol zu trinken, ist es für mich nicht immer ganz einfach, abzuschalten. Alkohol hat mir beim Stressabbau geholfen.“ Sein knapp dreijähriger Sohn Jack, den er gemeinsam mit Ehepartner Richard Buckley via Invitro-Fertilisation und Leihmutterschaft gezeugt hat, sei Stress, sagt er, „aber er dreht sich nicht um dich. Die Angst und Gedanken um das Kind lenken dich ab von der Arbeit. Du machst Pause von dir selbst!“

„Mein Haus ist voller Spielzeug“

Seither kämpft Ford übrigens mit denselben Problemen, wie ganz normale Eltern auch. „Unser Haus ist voll mit Plastikspielzeug. Und das mir, dessen ganze Lebensmission es war, makelloses Ambiente zu gestalten!“ Tatsächlich: Es liegen einige Blätter Papier auf seinem Schreibtisch. Er meint: „Wenn ich früher einen Journalisten erwartet habe, standen hier Blumen und sonst nichts. Davor habe ich auch noch ein bisschen Parfüm herumgespritzt. Heute ist mir das egal.“

Eigentlich ist der 53-jährige Amerikaner bekennender Perfektionist. So perfektionistisch, dass selbst die Schreibtische seiner Mitarbeiter so anmutig arrangiert sein müssen, dass sie jederzeit zum Stillleben taugen. Auch Fords persönliches Pflegeprogramm ist legendär: Sein Work-out betreibt er mit Hingabe wie andere ihre Religion, fünfmal täglich nimmt er ein Bad. Zu Hause ist er entweder nackt oder wie aus dem Ei gepellt. Selbst auf Langstreckenflügen trägt er einen Dreiteiler.

„Beim Aufstehen dachte ich, dass ich heute eigentlich gut aussehen sollte – Interview und so. Ich machte mich also daran, meinen Bart in Form bringen. Er wird leider schon grau. Kurz dachte ich daran, ihn zu färben, was ich immer wieder tue – unterstehen Sie sich, das zu schreiben! Ich habe es dann einfach gelassen. Ich habe einfach nicht mehr die Energie für solche Dinge.“

Seine „exakte Größe 48“ hat er sich dennoch erhalten: „Das muss so sein, schließlich muss ich meine Prototypen anprobieren.“ Aber seit der Ankunft von Jack hat er mit seinen Fitnessritualen aufgehört: „Ich habe keine Zeit mehr für Pilates oder Tennis. Ich achte sehr darauf, was ich esse, und ich habe eine glückliche genetische Veranlagung.“ Das Diät-Geheimnis? „Fisch, Gemüse, Gemüse, Fisch, Gemüse …“ Und als kleine Schwäche ab und zu ein paar Donuts. Mit Alkohol und Drogen hat er gänzlich aufgehört: „Jetzt  bekomme ich keine Heißhunger-Attacken mehr.“

„Ich bin introvertiert“

Über sich selbst sagt er: „Eigentlich bin ich sehr introvertiert. Das Konzept Tom Ford ist wie eine Art von Rüstung, die ich überstülpe, weil die Menschen das von mir erwarten. Es ist eine Inszenierung. Eine Inszenierung, die sehr, sehr anstrengend sein kann.“ Jetzt wird er etwas dramatisch: „Ich bin eigentlich ein schüchterner Mensch. Niemand glaubt mir das, aber ich bin es wirklich. Ich mag keine Riesenpartys. Ich mag Abendessen mit sechs oder besser vier Freunden. Die Öffentlichkeit kennt mich von einem völlig retuschierten Kampagnen-Foto für Parfüms und denkt, dass in meinem Haus wilde Partys abgehen und dort haufenweise nackte Männer und Mädchen herumliegen. Ich esse zu Abend mit Richard und Jack. Wir sehen fern. Danach liege ich um halb elf im Bett.“

Nachdem der Designer 2004 bei Gucci im Streit den Hut genommen hatte, war er direkt in die Depression geschlittert. Unter seiner eigenen Marke begann er daraufhin mit Sonnenbrillen, später folgte die erste Männerkollektion, die Parfumlinie, die Damenlinie und das Make up. Und er ist auch Filmregisseur. Sein Debüt „A Single Man“ schrieb, produzierte und inszenierte er selbst – als Autodidakt. Derzeit arbeitet er an einer Literaturverfilmung „Nocturnal Animals“ mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal in den Hauptrollen. Sechs Wochen gibt er sich Zeit für den Dreh, in den Pausen zwischen den Kollektionen. „Eigentlich bin ich kein Multitasker, aber es geht oft nicht anders. Ich sag dann: Es ist jetzt ein Uhr, Schuhabsätze stehen auf dem Programm. Redet mich ja nicht wegen Taschendesigns an.“ Der Thriller soll 2016 in die Kinos kommen.

Dan Rookwood / London Evening Standard / The Interview People
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