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Haute Couture: ein neues Kapitel

07.07.2016

Die Königsdisziplin der Mode, die Haute Couture, war einst den Adelshäusern vorbehalten. Nur auf Einladung der Pariser Chambre Syndicale de la Haute Couture erhält ein Modehaus das Privileg an den, nicht nur für Kunden, kostspieligen Schauen mitmachen zu dürfen. Fünf Neuzugänge gab es bei den aktuellen Haute-Couture-Schauen in Paris. Etwa die holländische Modeschöpferin Iris van Herpen mit ihren avantgardistischen, fast überirdisch anmutenden Entwürfen oder auch das von Demna Gvasalia (Balenciaga) gegründete, provokative Modekollektiv Vetements. Insgesamt ließen mehr als 20 Modehäuser mit ihren Schauen die Herzen der geladenen Gäste höher schlagen; der Kundenkreis für Haute Couture beschränkt sich auf wenige hundert Frauen, von denen sich die meisten bei ihrer Leidenschaft nicht allzu gerne über die Schulter schauen lassen.


Die Highlights für den Herbst 2016

Chanel
Karl Lagerfeld zeigte seine Kreationen diesmal in jenem Umfeld, das ihm, wie er sagt, das liebste am ganzen Modebusiness sei. Wenig überraschend handelt es sich hierbei um das Herz einer jeden Maison: die Ateliers. Jenen Ort, an dem die oft im wahrsten Sinne des Wortes phantastischen Ideen reale Form annehmen, ließ der Designer für die Präsentation nachbauen. Zwischen den Ateliertischen, Lampen, Stoffrollen und Abteilungen defilierten die Models – mittels Frisuren und Make-up verfremdet zu beweglichen Schneiderpuppen. Die Celebrities zeigten sich begeistert. Allen voran Will Smith, Vanessa Paradis, Milla Jovovich und Jessica Chastain.

Armani Privé
Giorgio Armanis Kreationen bestechen durch schlichte, aber unübersehbare Eleganz. Hell-dunkel-Kontraste, skulpturale Kleider und Drapierungen, grafische Muster und Haremshosen aus schwerem, tiefschwarzem Samt, dazu elfenbeinweiße Seide, Federhalsschmuck und Turban.

Dior
Dior steht gerade an einer Zeitenwende. Nach Raf Simons Abgang ist es nun an Lucie Meier und Serge Ruffieux, die Geschicke des Hauses in bisher unbestimmte Richtung, aber trotzdem im Sinne der Maison zu lenken. Mit an Bord bei der Show: Natalia Vodianova, Laetitia Casta, Céline Dion, Marion Cotillard. Man spürt, das Haus bricht zu neuen Ufern auf. Der nächste kolportierte Kapitän ist jedoch seit kurzem in Sicht: Maria Grazia Chiuri.

Valentino
Chiuri stellte, gemeinsam mit ihrem Designpartner Pierpaolo Piccioli, den unbedingten Willen zur Perfektion unter Beweis. Vom Elisabethanischen – dem goldenen – Zeitalter über die italienische Renaissance spannen sie gar shakespearehaft theatralisch den Bogen ins Jahr 2016. Der Prunk der einstigen Adelshäuser, für die die Haute Couture „erfunden“ wurde, spiegelt sich in dieser Kollektion wohl am stärksten wider. Sie atmet die Geschichte und das kulturelle Erbe Europas. Ein ziemlich wortgewaltiges Statement in Zeiten der Identitätskrise. Shakespeare wäre zufrieden gewesen.

Fendi
Im strengen Sinn kein Haute-Couture-Label, aber diesmal ist Fendi eine Erwähnung wert. Die Traditionsmarke feiert ihr 90jähriges Bestehen mit einer Haute Fourrure-Präsentation vor dem Trevi-Brunnen in Rom. Die Legends and Fairytales Kollektion, designt von Karl Lagerfeld, zeugte von der Handwerkskunst des römischen Modehauses. Topmodels wie Kendall Jenner und Bella Hadid schwebten im Sonnenuntergang wie Feen scheinbar über das Wasser. Die Kollektion ist inspiriert von Kay Nielsens Fairy Tale Illustrations, in denen Prinzessinen und Prinzen in einer magischen Welt zum Leben erwachen und sich mit kostbaren Pelzen und elfenhaften Kleidern schmücken.

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