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Der Millionen-Follower-Mann: Olivier Rousteing
06.10.2015

Der Millionen-Follower-Mann: Olivier Rousteing

06.10.2015

Unter dem gerade einmal 29-jährigen Olivier Rousteing erfuhr Balmain einen Popularitätsschub, der seinesgleichen sucht. Der erste schwarze Chef-Designer eines großen Modelabels, noch dazu in Paris, sorgt für Enthusiasmus. Aber auch für Kritik von der, in seinen Augen, erstarrten Mode-Elite, denn er ist alles andere als der Stereotyp des unzugänglichen Snobs.

„Zukunft ist das, was du auf den Straßen siehst.“

Rousteing ist wie gemacht für Social Media: makellose Haut, Mandelaugen, hohe Wangenknochen plus super-selfietauglicher Schmollmund. Seine Social Media Plattformen sind überbordend gefüllt mit Reich und Schön: Rihanna, Kim Kardashian und ihre modelnde Schwester Kendall Jenner. Selbst Lewis Hamilton taucht dort ab und zu auf. Er eröffnete den ersten Balmain-UK-Store im Londoner Mayfair, tanzte mit Model Jourdan Dunn und Pop-Star Ellie Goulding, stellte alles auf Instagram und der Rest der Welt konnte zusehen. Als Rousteing seine vom Pariser Multikulturalismus der 70er-Jahre inspirierte Kollektion zeigte, warteten draußen hunderte schwarze, französische Teenager, um einen Blick auf die Gäste Kim Kardashian und Kanye West zu erhaschen.
„Ich kann nichts Banales darin entdecken, populär zu sein“, sagt der Designer, „du kannst Teil der Popkultur und der jüngeren Generation sein, aber das heißt ja nicht, gleichzeitig an Schick und Qualität einzubüßen.“ Die Qualität, von der Rousteing spricht, muss man sich jedoch erst einmal leisten können, und das betrifft wohl eher einen kleinen Teil seiner Fangemeinde (ein weißes Baumwollshirt beginnt bei etwa 240 Euro). Trotzdem zieht Rousteing mehr als eine Million Follower in seinen Bann – mehr als jeder andere Fashion Designer. Schützenhilfe erhält er dabei von seiner #balmainarmy, einer Handvoll Models und It-Girls, über die er an die 50 Millionen Fans erreicht: In Rousteings Augen geht es in der Mode „um Diversität und darum, Menschen Hoffnung zu geben, die selbst Teil dieser sehr abgezirkelt erscheinenden Welt sein wollen.“

Das Ende der weißen Fashion-Elite

Für eine Kampagne engagierte er Rihanna, für andere Naomi Campbell, Iman und Jourdan Dunn. „Die weiße Fashion-Elite wird es nicht ewig geben“, ist der Designer überzeugt, „die Zukunft ist das, was du auf den Straßen siehst, gemischte Rassen und Ethnien, und das geht weit darüber hinaus, einfach nur ein schwarzes Model in die Show zu mischen.“
Rousteing ist selbst Mischling, wurde als Kleinkind aus einem Waisenhaus adoptiert, und wuchs in Bordeaux auf. Seine biologischen Eltern kennt er nicht. Zuerst brach er die Schule ab, dann das Fashion College und ging nach Mailand zu Roberto Cavalli. Warum ihn die Mode in den Bann gezogen hat? Weil er so wenig über sich selbst wusste, sagt er: „Wenn du aus einem Waisenhaus stammst, hast du keine Identität – Mode ist ein Weg dir ein Image zu geben. Ich liebe Kleider, denn damit baust du dir eine Welt.“

Balmain als H&M-Designer

Für den Denim- und Flache-Schuhe-Look mancher Moderedakteurin hat Rousteing gar nichts übrig. Unlängst kübelte er publikumswirksam Vogues Vorschläge für einen Dressed-Down-Minimalismus. „Das, wovon die denken, es sei modern, verkauft sich nicht.“ Rousteing hält es lieber mit dem Studio-54-Paillettenglamour und der medienwirksamen Kim Kardashian, und er findet es „sehr großzügig von ihr, mit den Menschen ein Stück ihres privaten Lebens zu teilen. Kim ist eine knallharte Geschäftsfrau.“ Auch er hat Sinn fürs Geschäft: Ab 5. November ist Rousteings Idee einer abgespeckten Balmain-Kollektion bei H&M erhältlich, was seinen Beliebtheitswert erneut pushen dürfte.

„Du verlierst deine Unschuld.“

Mit 24 wurde er Kreativdirektor von Balmain. Das fühle sich an, als hätte er ein Stück Jugend eingebüßt. „Bevor du 30 bist, hast du Zeit, Dinge falsch zu machen. Aber wenn du Verantwortung im Job hast, oder berühmt bist, kannst du das nicht mehr. Du verlierst deine Unschuld.“ Dieser rasante Erfolg verbindet ihn inzwischen auch mit Rihanna, zu der sich seit der gemeinsamen Balmain-Kampagne eine tiefe Freundschaft entwickelt hat. „Wenn ich in LA oder New York bin, oder sie ist in Paris, gehen wir essen, und keiner weiß etwas davon“, erzählt er, „wir feiern und behalten unsere Geheimnisse für uns. Ich mit Kim und Ri – das sind nur wir zu dritt.“
Mit circa 50 Millionen Zuschauern auf Instagramm.

Harriet Walker / The Times / The Interview People

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