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Haute Couture Award mit C. L. Attersee
23.11.2015
Victoria Modesta (c) Louie Banks

Victoria Modesta (c) Louie Banks

Victoria Modesta (c) Louie Banks

Victoria Modesta (c) Louie Banks

(c) Petra Benovsky

(c) Petra Benovsky

(oben li.) Kürschnermeister Otmar Sladky, Daniela Steurer, Marketing Goldenes Quartier, Christian Ludwig Attersee, (unten li:) Petra Benovsky, Wolfgang Reichl  (c) Petra Benovsky

(oben li.) Kürschnermeister Otmar Sladky, Daniela Steurer, Marketing Goldenes Quartier, Christian Ludwig Attersee, (unten li:) Petra Benovsky, Wolfgang Reichl (c) Petra Benovsky

(c) Petra Benovsky

(c) Petra Benovsky

Christian Ludwig Attersee (c) Petra Benovsky

Christian Ludwig Attersee (c) Petra Benovsky

Haute Couture Award mit C. L. Attersee

23.11.2015

Der österreichische Künstler Christian Ludwig Attersee entwarf einen Stoff eigens für den Haute Couture Austria Award 2015. Das diesjährige Motto: „Blue Bionic“. Wir haben den Künstler beim Shooting des Stoffentwurfs getroffen und mit ihm über Mode, Verkleidung und Prothesen gesprochen.


Er gilt als Karrieresprungbrett für junge Designer: der Haute Couture Austria Award. Am 25. November findet der größte Designbewerb Österreichs zum 15. Mal statt. Und er wird heuer erstmals Mode mit Kunst vereinen. Für das Finale im Park Hyatt Vienna hat der Initiator des Designpreises, Wolfgang Reichl, eine wahrlich unkonventionelle Schönheit gewonnen: Victoria Modesta, Multimediakünstlerin und Model mit Beinprothese. Sie hat das Thema Bionik zur Lebens- und Kunstform erhoben. Und sie weist, ebenso wie der Stoffentwurf Attersees auf „eine Welt hin, in der wir schon ganz selbstverständlich leben“, so Attersee, „wir sind so weit, dass wir Körperteile voll ersetzen können, das ist ein Schritt weg vom beschädigten hin zum funktionierenden Menschen. Das wollen wir zeigen.“ Modesta polarisiert, sie hebt sich von der Masse ab und „sie ist die perfekte Ikone und Inspirationsquelle für unseren Bewerb“, so Reichl. Dieser zeigt, dass Mode und Kunst, Mensch und Technik ineinander übergehen, dass die Trennung in Einzeldisziplinen immer mehr verschwindet.

Auch Attersee hat sich bereits in den Sechzigerjahren etwa mit seinem „Prothesenalphabet“ nicht um den verletzten, malträtierten Körper, sondern um die erotische Inszenierung und Akzentuierung bestimmter Körperteile gekümmert. Er entwickelte Körperobjekte, die er sich selbst anzog oder umschnallte. Es handelte sich hierbei, wie auch in der Mode, um die Verbesserung, die Verstärkung des Selbst.

Rahmenbedingungen von Mode

„Ein gut gemachtes Kleid ist immer ein Kunstwerk“, so Attersee. Heute sei das Spannende, dass Rahmen und Kontext verändert werde. „Ich habe auch Kleider bemalt und als Bilder an die Wand gehängt.“ Umgekehrt nimmt auch die Malerei immer häufiger den Weg auf das Kleid, auf die Mode.
Ob Mode aber nicht trotzdem immer den Rahmenbedingungen unterworfen sei? „Ich komme aus einer Welt, in der man bewusst den Rahmen sprengt, wenn Sie mich fragen, mir ist es egal, ob eine im Abendkleid ins Büro geht oder schwimmen“, so Attersee, „Mode ist immer auch ein Verkleidungsstück. Man hofft doch, sich ins Schönere zu verbessern. Ich schaue nie aus wie ein Künstler. Ich gehe immer als Geschäftsmann verkleidet. Mit Anzug, oft auch Krawatte. Oder muss ich als Künstler mit Palette auf den Rücken geschnallt und Schlapphut auf dem Kopf marschieren?“

Mode bedeutet Bewegung

Wie bewertet der Künstler Attersee als Juryvorsitzender die Finalisten des Haute Couture Austria Awards? Der Träger oder die Trägerin muss sich in die Modelle, in die Mode hineinprojizieren. „Ich bin ein Schau-Mensch“, sagt Attersee, „ich bin natürlich auch beeinflusst von der Dame, die das vorführt.“ An erster Stelle steht für den Künstler bei der Bewertung von Mode die Bewegung: „Ein Mensch bewegt sich immer, also muss das Kleid in der Bewegung funktionieren, das ist der entscheidendste Punkt. Wenn das nicht funktioniert, hat es keinen Sinn, das Kleid anzuziehen.“ Dann kommen Schnitt und Farbe. Nicht jede Farbe stehe jedem Menschen, das habe mit der Pigmentierung der Haut, der Reflexion des Lichts zu tun. Dann die Raffinesse im Schnitt, also in der Linienführung, die der Malerei nicht unähnlich sei. „Wie etwas liegt oder den Körper entlangläuft“, darin liegt für Attersee die Faszination eines guten Kleidungsstücks, „ist es raffiniert in den Proportionen, weil es einen Körper länger oder schmäler macht und kann man so ein Kleid auch einem normal gewachsenen Menschen anziehen?“ Als Genussmensch sieht Attersee die Kunst des Entwerfens auch darin, jemanden mit Rundungen, Ecken oder Kanten gut zu kleiden.

 

 

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