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Ein Blick in die Ateliers von Kiton

30.01.2017

Kiton

Mit Maß ans Ziel. Ciro Paone, dem Gründer der italienischen Maßschneiderei Kiton, war nur das Beste gut genug. Und so machte der Sproß aus einer italienischen Stoffhändlerfamilie seinen – vermeintlichen – Spleen zu einem Familienunternehmen, das bis heute für allerhöchste Handwerksqualität steht und allen Übernahmeangeboten durch Investoren trotzt. 

Das Kerngeschäft: Anzüge. Erst Anfang der Neunziger kamen Krawatten dazu, Ende der Neunziger Hemden, Strickwaren, schließlich Schuhe und vor zwei Jahren auch Taschen. Mit der Damenmode startete das Unternehmen vor zwölf Jahren – sie macht bis heute nur einen zehnprozentigen Anteil der Gesamtproduktion aus, mit ihrem Ausbau lässt man sich Zeit. Warum das so ist? Weil bei Kiton nichts in Lizenz produziert wird. Als man sich entschied, auch Schuhe zu führen, wollte man sie selbst herstellen: 15 Paar pro Tag.

„Wir sind nicht Standard. Wir machen keine großen Gewinne, weil wir so viel investieren“, erklärte Maria Giovanna Paone, Tochter des Gründers, kürzlich im Interview mit der FAZ. Der Jahresumsatz: 120 Millionen Euro.

Eigene Maßstäbe setzen

Die 350 Schneider in der Produktionsstätte, etwa 20 Kilometer nordöstlich von Neapel, sind das Herz des Unternehmens. Sie arbeiten in Gruppen an den exklusiven Anzügen, bis zu 45 Schneider sind an einem Stück beteiligt. 80 Prozent der 21.000 handgefertigten Anzüge, die jährlich das Unternehmen verlassen, sind Konfektionsware. Bis heute gibt es bei Kiton weder Computer, noch Schneidemaschinen oder ähnliche technische Hilfsmittel. Selbst die schweren Bügeleisen haben schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.

 

Als Ciro Paone 1968 begann, beschäftigte er 20 Schneider, und hielt am Handwerk just in einer Zeit fest, als in den Siebzierjahren gerade die ersten Segnungen des Massenkonsums und der Serienanfertigung die Preise zu drücken begannen. Das Verschwinden der Handwerkskunst machte schließlich sogar die Gründung einer eigenen Schneiderschule nötig. Seit 2000 bildet Kiton 13 bis 14 Studenten im Jahr selbst aus, ein Großteil von ihnen landet später im Unternehmen und bleibt ihm auch ein Arbeitsleben lang treu.

Palazzo Kiton

In jüngster Vergangenheit wurde auch in Zulieferer investiert: die Carlo Barbera Mühle im Piemont, eine Strickwarenfabrik in Fidenza, ein Hersteller für Casualwear in Parma gehören inzwischen zum Kiton-Konzern. Nur so könne man Qualität durchgängig selbst kontrollieren, erklärt CEO Antonio De Matteis, der Neffe des Gründers. Jüngster Zugang vor zwei Jahren: Der Palazzo Kiton, der nun in der Modehauptstadt Mailand Präsenz markiert. Im ehemaligen Gianfranco Ferré-Headquarter gibt es vom Atelier bis zur Anprobe, von der Kunstsammlung bis zum neapolitanischen Restaurant alles, was zum Kiton-Universum dazugehört.

Wer jemals in einen handgenähten Anzug geschlüpft ist, will nie wieder einen anderen tragen, davon ist man bei Kiton überzeugt: Mit einer Maschinennaht erreiche man einfach nicht die Elastizität und den Tragekomfort wie mit einer Handnaht. Und wer seine Kunden in Materialien wie Kaschmir oder Vikunja schlüpfen lässt, für jeden Arbeitsschritt vom Knopfloch- bis zum Armlochnähen einen eigenen Spezialisten hat, dem bleibt nur das eigene Maß als Ziel.

Die Handwerkskunst, die Leidenschaft, der Perfektionismus, die Unternehmenswerte – das sind doch die wesentlichen Kriterien, die die Begehrlichkeit von Marken ausmachen. Mitten im Geschehen kann man das am besten spüren. Wir besuchen die Labels aus dem Goldenen Quartier in ihren Ateliers und dürfen den Kreativen dort über die Schultern blicken. 

Teil 6 der Serie: Kiton.

Kiton

Kiton

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Handwerk

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Handwerk

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Palazzo Kiton, Mailand

Kiton

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Palazzo Kiton, Mailand

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