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Abheben, abtanzen, abmischen: das Pariser Finale

08.10.2015

Große Namen, große Shows. Es sind die letzten Tage der Fashion Weeks für das Frühjahr/Sommer 2016, an denen man versteht, dass Mode und Inszenierung eins sind. Mit dem Zutritt zu den Modeschauen erhalten Gäste auch Zutritt in eine andere Welt. Immer größere, teurere Kulissen werden da in Szene gesetzt: Flughäfen, Nachtclubs, Zukunftslandschaften. Und das Ganze für eine 15 Minuten lange Show – und für Millionen geposteter Fotos, die daraufhin unauslöschbar in unsere Hirne gepflanzt werden. Willkommen in der nächsten Saison!


Louis Vuitton
„Eine Reise an die Grenzen des digitalen Zeitalters“, ließ eine Computerstimme die Besucher im von Frank Gehry entworfenen Louis Vuitton Palast wissen. Das virtuelle Paralelluniversum trifft auf eine Art hypercoolen Nightclub. Nicholas Ghesquière ließ sich von den Heroinen der Video Games inspirieren, packte seine Models aber trotzdem noch in Urbanraum-taugliche Outfits. Viele Zippverschlüsse, Ledergilets und Seidenjumpsuits, die auch den Ausstattern von Mad Max einst einfallen hätten können. Die Highlights: Colorblock-Bermudashorts und Ballonröcke aus den 80ern, aber wiederauferstanden in weißem Baumwollpopelin in perfekter Handarbeit.

Valentino
Nach den winterlichen Ausflügen in die Designs der Wiener Werkstätten zieht es Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli im Sommer 2016 nach Afrika. Von wallenden Kleidern, Leinentuniken, Metallhalsreifen, die an das alte Rom erinnern, schlägt das Designerduo einen Bogen zu Bastfransen, Intarsien, Afrikanischen Stammes- und Batikmustern. Die Haare werden eng am Kopf geflochten und zu einem Knödel gebunden. Knüpfmuster der Masai, wie man sie von den Kunsthandwerksmärkten kennt, oder Miniaturmasken aus Metall dienen als Applikationen auf Handtaschen. Die Masken, ebenso wie die Terracotta-Schmuckstücke sind das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Alessandro Gaggio.

Chanel
Abgehoben – mit Chanel Airways. Sich auf Flughäfen aufzuhalten ist im Trend wie der Coffee to go beim U-Bahnfahren in den 00ern. Man shoppt, hängt rum, isst, kommuniziert, sucht Steckdosenanschlüsse. Keine Frage, dass man dabei jetzt auch noch gut aussehen will.  Zur Präsentation der flugtauglichen Frühjahrskollektion verwandelte Lagerfeld das Pariser Grand Palais in einen Flughafen und vermittelt uns seine Idee vom Fliegen: Airline Lounges, Chanel gebrandete Trolleys, lächelnde Staff-Mitglieder hinter den Check-Ins, Flughafenmitarbeiter, die die Models Richtung Gate winken (Gate No. 5, klarerweise) inklusive. Dass hier alles First Class ist, versteht sich von selbst. Man fliegt in klassischen Tweeds, mit flachen, dick besohlten Sandalen, bunten Spiegelbrillen, nein, Spiegelvisieren, mit verkehrt herum getragenen Baseballkappen, aber bitte Muster in Muster zum Kostüm passend. Ans Fliegen haben wir uns gewöhnt. Jetzt kommt die Mode dran.

Miu Miu
Die Füchse sollen sich schon mal verstecken. Denn der Fuchsschwanz ist das Accessoires des kommenden Sommers, wenn es nach Miuccia Prada für ihr Label Miu Miu geht. Er hängt von der Tasche, von der Stola, aus dem Mantel, gehört zum neuen Look dazu wie die totalen Fantasie-Schuhe – einerseits pradaesk bemusterte Schnürstiefel auf Plateau, andererseits Ballerinas mit wildem Gebinde aus Schnüren, Lederriemen und Bändern. Und am Kopf, da sitzen auch noch brave Krönchen in den Haaren! Es ist der irrationale Mix aus vielen kleinen, modischen Höhepunkten, keiner davon übertrieben, alle stilsicher ausbalanciert, dass keiner den anderen abwürgt.

Saint Laurent
Grunge und Glitter treffen sich da in Paris bei Saint Laurent am Laufsteg. Schimmernde Satin- und Spitzenkleidchen, die auch als sexy Unterwäsche durchgehen könnten, dazu teils abgewetzte Lederjacken, Jeans-Patchwork-Gilets, Gummistiefel und Glitzerkronen, die tief in der Stirn sitzen. Ja, da war Designer Hedi Slimane offenbar mit Kate Moss und Courtney Love am Glastonbury Festival unterwegs. Bei Nacht wohlgemerkt, denn im Saal ist es zappenduster. Mittlerweile ein Markenzeichen der Saint-Laurent-Schau.

 

 

 

 

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